Chōshi art – Filigrane Wunder aus Papier

Chōshi art – Filigrane Wunder aus Papier

Letzte Beitragsänderung erfolgte am 24.12.2017.

Heute ist der zweite Advent. Nicht mehr viel Zeit bis Weihnachten! Wie wäre es mit einer selbst gebastelten „chōshi art“-Weihnachtskarte oder einem anderen Papier-Meisterwerk als Weihnachtsgeschenk?

Im April 2016 habe ich in Fukuoka einen Kurzworkshop zur Papierschnitzkunst „chōshi art“ (彫紙アート / ちょうしアート) von Tagami Kayoko (田上 香代子 / たがみ かよこ) besucht. Eine faszinierende Kunst, die nicht nur handwerkliches Geschick beim Schneiden, sondern vor allem kreative Imagination für den Bild-Entwurf verlangt.

Was ist „chōshi art“ (彫紙アート / ちょうしアート) ?

„Chōshi art“ oder „paper cut art“ ist eine Papierschneidekunst beziehungsweise -schnitzkunst, die von Hayashi Keizō (林 敬三 / はやし けいぞう) in Japan entwickelt wurde. Die „chōshi art“-Werke sind dreidimensionale mehrfarbige Bilder aus Papier. Je nach Anzahl der verwendeten Farben (und damit Farbpapiere) kann ein Bild sogar mehrere Kilo schwer und mehrere Zentimeter hoch werden! Ein einfaches Bild mit wenigen Farben hingegen kann man gut als Postkarte gestalten.

Benötigtes Material

Man benötigt:

  • ein weißes Papier für den Entwurf bzw. die Ausschneidevorlage/-schablone,
  • farbige Blätter (Papier oder sehr dünner Karton) im gleichen Format wie die Vorlage (die Anzahl und die Farbe der Blätter richten sich nach den im Bild gewünschten Farben),
  • flüssigen Kleber (z. B. Uhu) oder einen Tacker,
  • eine Schneidmatte/-unterlage,
  • ein Papierskalpell oder ein Teppichmesser,
  • Bleistift zum Durchnummerieren der Blätter,
  • gegebenenfalls Fineliner für das Zeichnen des Entwurfs / der Ausschneidevorlage

Zur Vorgehensweise:

  1. Am Anfang steht die schwierigste Aufgabe: der Entwurf des dreidimensionalen Bildes (Näheres dazu unter Punkt 4):
    • Ziel ist es, aus einem Block, der aus verschieden farbigen Papierschichten besteht, ein dreidimensionales Bild herauszuschneiden, indem man unterschiedlich tief in den Block gehend Bereiche herausschneidet.
    • Für den Entwurf muss man um die Ecke denken können: Vor allem gilt es, immer zu beachten, dass verbleibende Bildteile zusammenhängend sein müssen, damit nicht beim Schneiden Bildelemente herausfallen.
    • Als Anfänger greift man am besten erst einmal auf eine fertige Vorlage zurück.
  2. Als nächstes gilt es, zu entscheiden, welche Farben man für das Bild verwenden möchte. Denn man kann das gleiche Bild in unterschiedlichen Farbzusammenstellungen umsetzen. Dementsprechend wählt man die farbigen Papierblätter aus.
  3. Nun legt man die unterschiedlich farbigen Papierblätter in der richtigen Reihenfolge, das heißt entsprechend der Nummerierung in der Ausschneidevorlage, übereinander. Das Entwurfsblatt legt man zuoberst auf den Papierstapel. Dann klebt oder tackert man diese Papierschichten an einer Seite zusammen, sodass eine Art Block aus unterschiedlichen Farbblättern entsteht.
  4. Zuoberst liegt nun das weiße Blatt mit dem Bildentwurf: Hier hat man für jedes Farbblatt eingezeichnet, was aus diesem Blatt und den darüber liegenden Blättern mit einem Messer herausgeschnitten werden soll. Diese Bereiche bezeichnet man für jedes Farbblatt mit einer anderen Ziffer (so ähnlich wie beim „Malen nach Zahlen“).
  5. Die farbigen Blätter werden entsprechend mit Bleistift durchnummeriert.
  6. Nun legt man die Schneidematte unter das oberste farbige Blatt. Mit dem Papierskalpell schneidet man die für dieses Farbpapier vorgesehenen Bereiche aus, das heißt man schneidet durch das weiße Papier und das erste Farbpapier.
  7. Im nächsten Schritt legt man die Schneidematte unter das zweitoberste farbige Blatt und schneidet die entsprechenden Bereiche bis zur Schneidematte aus, das heißt durch das weiße Papier und die obersten zwei Farbpapiere.
  8. Dementsprechend fährt man fort, bis alle Bereiche ausgeschnitten sind. Nur das zuunterst liegende farbige Blatt wird nicht beschnitten.
  9. Das weiße Entwurfsblatt wird am Ende vom Papierblock entfernt.
  10. Den Blätterstapel kann man gegebenenfalls an den übrigen drei Seiten mit Kleber fixieren.

Videos zu „chōshi art“

Video von choshiart.net

Die Beschreibung klingt kompliziert. Wenn ihr einem „chōshi art“-Künstler zuschaut, wird die Sache schon klarer. In diesem Video seht ihr, wie das Schneiden konkret aussieht:


Video auf YouTube (japanisch)

Video über „chōshi art“ von Tagami Kayoko

In diesem Video werden Tagami Kayoko und ihre Arbeit vorgestellt:


Video auf YouTube (japanisch)

Auch in diesem Video von hana auf Facebook könnt ihr sehen, wie fertige geschnittene Seiten aussehen.

Mein Beispiel für „chōshi art“

Hier mein erster „chōshi art“-Versuch, das heißt mein Ergebnis aus dem Workshop:

Paper cut art card (© fduprel 2016)
Paper cut art card (© Foto: fduprel 2016; © „chōshi art“-Entwurf: Tagami Kayoko)

Meine Leistung war lediglich das Ausschneiden. Dafür benötige ich, wie man sieht, noch etwas Übung. Denn es ist gar nicht so leicht, in gerader Linie durch mehrere Papierschichten zu schneiden.

Nichtsdestoweniger hatte ich es vergleichsweise leicht, weil es sich nur um wenige Papierschichten/Farben handelte und die Schnittvorlage ja von Tagami Kayoko entwickelt und mir zur Verfügung gestellt worden war.

Wie aber ein echtes Meisterwerk aussieht, seht ihr zum Beispiel hier auf der Seite von Tagami Kayoko.

Links/Bücher

Einen schönen zweiten Advent wünscht euch „Japan begeistert!“

Zweiter Advent (© fduprel 2017)
Zweiter Advent (© fduprel 2017)

 

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