Nuno Zōri – japanische Stoffsandalen

Letzte Beitragsänderung erfolgte am 31.10.2020.

Nasskaltes Herbstwetter, Corona-Virus-Gefahr – zurzeit verbringt man viel Zeit in den eigenen vier Wänden. Ein Trost: Daheim kann man wenigstens gemütliche Kleidung tragen. Warum sich also nicht mit bequemen japanischen Stoffsandalen, Nuno Zōri (布ぞうり / ぬのそうり) genannt, ein bisschen Japangefühl ins häusliche Leben holen?

Was sind Zōri?

Sicher habt ihr in japanischen Filmen, vor allem Historien- oder Samurai-Filmen, schon einmal Personen gesehen, die Zōri (草履 / そうり) tragen. Zōri sind traditionelle, aus Reisstroh geflochtene Sandalen, die in Japan bis zur Meji-Ära eine der Hauptfußbekleidungen waren.

Sie bestehen aus einer flachen Sohle (靴底 / くつぞこ), einem Zehensteg und Riemen (鼻緒 / はなお). Dazu trägt man Tabi ( 足袋 / たび), das heißt Socken mit abgeteiltem großen Zeh. Im Gegensatz zu den Geta (下駄 / げた), haben Zōri keine Absätze.

Zōri sind die Vorgänger der Flip-Flops. Amerikanische GIs hatten Zōri nach dem Ende des zweiten Weltkriege aus Japan mit nach Hause gebracht. In neuem bunten Design und aus kostengünstigem Kunststoff oder Kautschuk verbreiteten sie sich in der Folge schnell über die ganze Welt.

Mit der Zeit haben sich die in Japan verwendeten Materialien verändert. Heute gibt es Zōri zum Beispiel aus Reisstroh, Leder, Kunstleder, Lackware und Textilien. Die edleren Modelle trägt man auch zu formellen Anlässen zum traditionellen Kimono.

Nuno Zōri (布ぞうり / ぬのそうり), um die es hier geht, werden in Handarbeit aus Stoff geflochten und als Hausschuhe getragen.

Nuno Zōri (© 2020 fduprel)
Nuno Zōri von Miiko IL (Foto: © 2020 fduprel)

Warum Nuno Zōri?

Vor ein paar Jahren habe ich mein erstes Paar Nuno Zōri (布ぞうり / ぬのそうり) geschenkt bekommen. Davor hatte ich noch nie von dieser Art Sandalen gehört. Da dieses Paar mittlerweile sehr abgetragen ist, habe ich mir neulich ein neues Paar zugelegt.

Warum aber trage ich gerne Nuno Zōri?

Nuno Zōri, Tabi (© 2020 fduprel)
Nuno Zōri, Tabi (© 2020 fduprel)
  • Nuno Zōri lassen viel Luft an die Füße. Mittlerweile trage ich sie vor allem im Sommer sehr gerne als Hausschuhe (ohne Socken). Bei heißen Temperaturen schwitzt man dank der Stoffsandalen weniger an den Füßen. Und wenn es doch so heißt ist, dass man an den Fußsohlen schwitzt, nimmt der Stoff die Feuchtigkeit auf.
  • Aber auch in der dunklen Jahreszeit freuen sich meine Füße, ab und an aus den starren Herbstschuhen oder Winterstiefeln in die luftigen, weichbesohlten Stoffsandalen wechseln zu dürfen. Dann trage ich warme Tabi-Socken zu den Sandalen.
  • Nuno Zōri sind sehr bequem. Mein neues Paar hat eine sehr dicke Stoffsohle. Da läuft es sich wie auf Wolken! Und die Stoffriemen schneiden nicht ein, wie es bei Flip-Flops der Fall ist.
  • Die Stoffsandalen sind zudem waschbar. Wobei ich mich bisher nicht getraut habe, sie bei höheren Temperaturen zu waschen. Und oft sollte man sie nicht waschen. Dafür ist vor allem der Stoff, der um die Riemen gewickelt ist, zu empfindlich.
  • Mein erstes Paar habe ich mit dem augenzwinkernden Hinweis erhalten, dass ich mit den Sandalen beim Gehen in der Wohnung zugleich den Boden mitwischen könne.
  • Und zuguterletzt: Man kann schnell in die Schuhe schlüpfen und sie rasch ausziehen. Das ist vor allem aus japanischer Sicht ein Vorteil, weil man in Japan stetig am Schuheaus- und -anziehen ist. (Die japanische Sitte verlangt ja, dass man beim Betreten und Verlassen eines Hauses sowie beim Toilettengang die Schuhe wechselt.)

Wie werden Nuno Zōri hergestellt?

Die Sohle der Nuno Zōri wird aus schmalen Baumwoll-Stoffstreifen hergestellt. Diese wickelt beziehungsweise webt man um eine Schnur, die man in vier Strängen spannt. Häufig wird dafür eine Kunststoffschnur aus Polypropylen (PPロープ) verwendet. Die Schnur legt man zur Fixierung zweimal um ein Holzgestell, einen Kleiderbügel oder auf dem Boden sitzend um die eigenen Zehen und strafft die vier Stränge.

Wenn man für die Stoffstreifen ausgediente Kleidungsstücke (z. B. alte Yukata, d. h. Sommerkimono, oder T-Shirts) verwendet, handelt es sich sogar um ein Recycling-Produkt.

Riemen und Zehensteg macht man aus einer oder zwei Stoffbahnen oder aus einem oder zwei in einen Stoffschlauch eingeführten Schnurstücken. Sie werden an drei Stellen (in der Mitte des vorderen Bereichs und links und rechts weiter hinten) durch die Stoffsohle gezogen und unter der Sohle verknotet.

Nuno Zōri, Tabi (© 2020 fduprel)
Bei meinen alten Nuno Zōri ist der Stoff zerschlissen. So kann man gut die Schnur der Riemen sehen. (© 2020 fduprel)

Kann man Nuno Zōri auch selbst herstellen?

Wer handwerklich begabt ist, kann sich selbst an der Herstellung von Nuno Zōri versuchen.

Bei YouTube findet man Anleitungsvideos auf Japanisch, aber auch in anderen Sprachen, hier ein Beispiel:

YouTube-Video 「Tシャツで布ぞうりを作る」(„Aus T-Shirts Nuno Zōri herstellen“) (Sprache: Japanisch)

Diese Anleitung umfasst insgesamt vier Teile. Die weiteren Teile findet ihr auf dem YouTube-Channel 「布ぞうりのはちどりチャンネル」. Den Videos kann man auch gut ohne Japanischkenntnisse folgen, da sie die Handgriffe sehr gut zeigen.

Wo kann man Nuno Zōri kaufen?

Meines Wissens nach bekommt man Nuno Zōri noch in keinem deutschen Geschäft. Im Internet kann man sie aber zum Beispiel über Etsy, Amazon Japan und Ebay bestellen. Der Versand erfolgt dabei zumeist direkt aus Japan.

Etwas schwierig ist die Größenwahl. Japanische Größen richten sich nach der Fußlänge, angegeben in cm oder inch. In Japan trägt man die Nuno Zōri wohl eher so, dass die Zehen vorne etwas über die Sohle überstehen. Mir persönlich ist es lieber, wenn die Sohle vorne länger als die Zehen ist. Wie die Stoffsandalen sitzen, hängt aber nicht nur von der Sohlenlänge, sondern auch von der Stelle ab, an der der Zehensteg befestigt ist.

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