Film-Kritik: „Memoirs of a Murderer“ (2017) – 22年目の告白 – 私が殺人犯です

Film-Kritik: „Memoirs of a Murderer“ (2017) – 22年目の告白 – 私が殺人犯です

Letzte Beitragsänderung erfolgte am 01.11.2017.

Das Wunderbare an Filmfestivals ist, dass man dort ab und zu auch neueste japanische Filme zu sehen bekommt und nicht erst lange Zeit auf eine DVD-Veröffentlichung warten muss. Auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest läuft zum Beispiel der japanische Thriller „Memoirs of a Murderer“ (22年目の告白 – 私が殺人犯です / にじゅうにねんめのこくはく わたしがさつじんはんです), der erst im Juni 2017 in Japan angelaufen ist.

Zum Hintergrund des Films

Bei „Memoirs of a Murderer“ handelt es sich um eine Neuverfilmung des koreanischen Action-Thrillers „Confession of Murder“ (내가 살인범이다 / Naega Salinbeomida) aus dem Jahre 2012 (Regie: Jung Byung-gil). Das japanische Remake von 2017 übernimmt viele Elemente der koreanischen Vorlage, verändert aber auch viele Figuren und Details. – Also bitte nicht den englischen Wikipedia-Eintrag zum koreanischen „Confession of Murder“ lesen, wenn ihr die japanische Version spoilerfrei sehen wollt!

Zum Inhalt des Films

Im Jahr 1995, als das große Erdbeben viele Menschenleben in Kyōto fordert, tötet ein Serienmörder mehrere Menschen: Er erwürgt seine Opfer mit einem Seil und lässt jeweils eine zweite Person, die dem Opfer nahesteht und die er zuvor gefesselt hat, dem Mord zusehen.

Die Polizei versucht, dem Serienmörder eine Falle zu stellen. Dabei erwischt der Polizist Makimura Wataru den Täter beinahe. Dieser kann sich jedoch befreien und unerkannt fliehen, wenn auch mit einer Schusswunde in der Schulter, die Makimura ihm zugefügt hat. Daraufhin rächt sich der Täter mit einem weiteren Mordanschlag: Opfer wird Makimuras direkter Vorgesetzter.

2017, also 22 Jahre später, tritt ein gewisser Sonezaki Masato in einer Pressekonferenz auf und gibt sich als Serienmörder von damals zu erkennen. Er hat in einem Buch ein Geständnis über seine Taten abgelegt, das er nun mit allen Mitteln über medienwirksame Auftritte zu vermarkten sucht. Von der Justiz hat er nichts mehr zu befürchten, da aufgrund einer zeitlich fehlerhaft umgesetzten Gesetzesänderung seine Mordtaten verjährt sind (ein Detail, das wohl fiktiv ist).

Sonezaki provoziert die Polizei und Medien: Er wirft ihnen vor, dass sie unfähig seien, weil sie ihm bis jetzt nicht auf die Spur gekommen seien. Ebenso spielt er mit den Gefühlen der Angehörigen der Ermordeten, indem er sie in die Medien-Öffentlichkeit zerrt.

Das Buch löst einen Medien-Hype um Sonezaki aus, der von seinen Fans als cooler Anti-Held gefeiert wird. Die Stimmen derer, die ihn und seinen Verlag als höchst unmoralisch kritisieren, bleiben angesichts des Medienrummels um den neuen Bestseller-Autor Sonezaki ungehört.

Anschläge auf Sonezakis Leben bleiben aber auch nicht aus, sodass sich der Polizist Makimura plötzlich in der misslichen Lage findet, Sonezaki vor Attentaten beschützen zu müssen.

Sonezaki drängt sogar darauf, live im Fernsehen aufzutreten. An dieses heiße Eisen, da unmoralische Angebot wagt sich nur der Nachrichtensprecher Nakamura Tōru. Er hatte damals als Journalist zum Serienmörder-Fall recherchiert. Doch im Fernseh-Interview mit Sonezaki bringt Nakamura im Buch unveröffentlichte Details zum Fall ans Licht und stellt Sonezakis Ehrlichkeit in Frage …

(Mehr verrate ich nicht, sonst gerät diese Inhaltsangabe noch zur Spoiler-Sammlung!)

Trailer zu „Memoirs of a Murderer“


Trailer auf Youtube (Japanisch mit englischen Untertiteln)

Meine Meinung zum Film

Fantasy?

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, weshalb der Film beim Fantasy Filmfest gezeigt wurde. Das einzige „fantastische“ Element scheint mir zu sein, dass es diese Gesetzeslücke gegeben haben soll, die einen Mörder straffrei ausgehen lassen könnte. Aber das Fantasy Filmfest scheint sich in den letzten Jahren ja insgesamt vom „Fantasy“-Gedanken gelöst zu haben. Andererseits will ich mich nicht beschweren, weil ich den Film ja sonst nicht gesehen hätte.

Spannungsfaktor

Die Geschichte wird auf jeden Fall spannend ausgebreitet, nicht nur wegen mehrerer überraschender Wendungen.

Glaubwürdigkeitsfaktor

Zugegeben, besonders glaubwürdig sind die überraschenden Wendungen nicht. Auch die psychologischen Erklärungen für die Handlungsweisen der Figuren finde ich zum Teil eher holzschnittartig plump.

Schauspielerische Leistung

Ich muss gestehen, dass ich erst unschlüssig war, ob ich mir den Film überhaupt ansehen soll. Denn ich bin kein echter Fan des Hauptdarstellers Fujiwara Tatsuya (藤原竜也 / ふじわら たつや). Jedenfalls halte ich ihn persönlich für eine Fehlbesetzung als Yagami Light (夜神月 / やがみ ライト) in der Realverfilmung des Mangas „Death Note“ (デスノート). Aber über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten … Doch auch wenn ich Fujiwara Tatsuya nicht so sehr mag, ist seine schauspielerische Leistung als Sonezaki (曾根崎 / そねざき) sehr gut.

Emotional am überzeugendsten finde ich jedoch Itō Hideaki (伊藤英明 / いとう ひであき) als Makimura (牧村 / まきむら).

Die übrigen Figuren haben allerdings kaum eine Chance, glaubwürdige Charaktere aufzubauen.

Thematik

Abgesehen vom Reiz eines verwickelten Thrillers mit überraschenden Wendungen ist die Kritik an Medien-Hypes und der Anziehungskraft des Bösen besonders interessant. Die Tatsache, dass ein Serienmörder als Medien-Star angehimmelt wird, ist ja auch nicht so weit von unserer Realität entfernt: Weltweit mehren sich die Beispiele dafür, dass den Mächtigen alles vergeben wird – oder vielleicht sogar dafür, dass sie genau dafür geliebt werden, moralische Werte mit Füßen zu treten. „Gutmenschen“ werden beschimpft und der Lächerlichkeit preisgegeben, während immer mehr Menschen „bad boys“ blind vergöttern. Und plötzlich sind Steuerhinterziehung im Sport, Intoleranz, Frauenfeindlichkeit, Rassismus, Nationalismus, Kriegstreiberei etc. salonfähig in unserer Welt.

Mein persönliches Fazit

Der Film ist (trotz der beschriebenen kleineren Schwächen) auf jeden Fall sehenswert!

Details zur japanischen Neuverfilmung

  • Titel: „Memoirs of a Murderer“, zum Teil auch als „Confession of Murder“ angekündigt (22年目の告白 – 私が殺人犯です / にじゅうにねんめのこくはく わたしがさつじんはんです)
  • Erscheinungsdatum (Japan): 10. Juni 2017
  • Dauer: 117 Min.
  • Regie: Irie Yū (入江 悠 / いりえ ゆう)
  • Drehbuch: Hirata Kenya (平田 研也 / ひらた けんや), Irie Yū (入江 悠 / いりえ ゆう)
  • Produktion:  Kitajima Naoaki (北島直明 / きたじま なおあき), Koide Masaki (小出真佐樹 / こいで まさき)
  • Kamera: Imai Takahiro (今井 孝博 / いまい たかひろ)
  • Musik: Yokoyama Masaru (横山 克 / よこやま まさる)
  • Vertrieb: Warner Bros.
  • Darsteller:
    • Fujiwara Tatsuya (藤原竜也 / ふじわら たつや) als Sonezaki Masato (曾根崎雅人 / そねざき まさと), Romanautor und bekennender Serienmörder
    • Itō Hideaki (伊藤英明 / いとう ひであき) als Makimura Wataru (牧村航 / まきむら わたる), Polizist
    • Kaho (夏帆 / かほ) als Kishi Miharu (岸美晴 / きし みはる), Tochter eines Opfers
    • Ishibashi Anna (石橋杏奈 / いしばし あんな) als Makimura Rika (牧村里香 / まきむら りか), Schwester von Makimura Wataru
    • Nomura Shūhei (野村周平 / のむら しゅうへい) als Onodera Takumi (小野寺拓巳 / おのでら たくみ), Verlobter von Makimura Rika
    • Iwamatsu Ryō ( 岩松了 / いわまつ りょう) als Yamagata Akihiro (山縣明寛 / やまがた あきひろ), Krankenhausdirektor, Ehemann eines Opfers
    • Iwaki Kōichi ( 岩城滉一 / いわき こういち) als Tachibana Daisuke (橘大祐 /たちばな だいすけ), Yakuza-Chef, Hinterbliebener eines Opfers
    • Nakamura Tōru (仲村 トオル / なかむら トオル) als Sendo Toshio (仙堂俊雄 / せんど としお), Nachrichtensprecher

Links

 

Startseite » Film-Kritik: „Memoirs of a Murderer“ (2017) – 22年目の告白 – 私が殺人犯です

 

 

Schreibe einen Kommentar

*