Vom A und O japanischer Schreine und Tempel

Vom A und O japanischer Schreine und Tempel

Letzte Beitragsänderung erfolgte am 29.10.2017.

Auf unserer ersten Japan-Reise war ich nach dem Besuch etlicher Schreine und Tempel in Kyoto, Nara etc. erst einmal so erschlagen, dass ich gar nicht mehr wusste, was Schrein, was Tempel war, geschweige denn, welche wir alle schon gesehen hatten.

Komainu mit geschlossenem Maul
Komainu mit geschlossenem Maul, Nara (© 2010 fduprel)
Komainu mit offenem Maul
Komainu mit offenem Maul, Nara (© 2010 fduprel)

Eines war mir aber aufgefallen: Am Eingang der Schreine standen immer zwei steinerne löwenartige Hunde, der eine mit offenem, der andere mit geschlossenem Maul. Aber was wollten mir diese Koma-inu (狛犬 / こまいぬ) damit sagen?

In meinen Reiseführern stand dazu nichts. Also half erst eine Internet-Recherche daheim …

Bedeutung des offenen und geschlossenen Mundes

Den offenen und geschlossenen Mund haben die Koma-inu von den großen, muskulösen Wächterfiguren am Eingang zu buddhistischen Tempeln, den Niō (仁王 / におう) or Kongōrikishi (金剛力士 / こんごうりきし), übernommen, bei denen ebenfalls eine Figur den Mund geöffnet und die andere den Mund geschlossen hat. Wie die Koma-inu am Eingang der Schreine sollen auch die Niō vor den Tempeln Böses abwehren.

Nio mit geschlossenem Mund
Nio mit geschlossenem Mund, Nikko (© 2010 fduprel)
Nio
Nio mit offenem Mund, Nikko (© 2010 fduprel)

Der offene Mund bedeutet, dass die Figur den ersten Buchstaben des Sanskrit-Alphabets (Devanagari Alphabet) spricht, das ungefähr wie ein „a“ ausgesprochen wird. Der geschlossene Mund stellt dar, dass die Figur den letzten Buchstaben des Sanskrit-Alphabets, den Laut „um“, ausspricht. „a“ und „um“ stehen symbolisch für den Anfang und das Ende aller Dinge.

Zusammen ergeben die beiden Laute „aum“ oder „om“, einem im Hinduismus und Buddhismus als heilig angesehenen Laut.

Dies alles erinnert sehr an das deutsche „von A bis Z“ beziehungsweise an das sprichwörtliche „A und O“, welches sich auf die Anfangs- und Endbuchstaben des griechischen Alphabets, Alpha und Omega, bezieht. Im Christentum wird wiederum Jesus als der Anfang und das Ende aller Dinge angesehen, weshalb die Buchstaben Alpha (A) und Omega (Ω) oft als Begleitmotiv zum Christusmonogramm (☧) verwendet werden.

Die Koma-inu und die Niō haben mich also in das A und O der japanischen Schreine und Tempel eingewiesen! 🙂

Komainu, Fushimi Inari Taisha, Kyoto (Foto: © 2013 fduprel)
Komainu, Fushimi Inari Taisha, Kyoto (Foto: © 2013 fduprel)

Ergänzende Anmerkung

Beim Fushimi Inari-Taisha (伏見稲荷大社 / ふしみいなりたいしゃ) in Kyoto gibt es auch ganz viele Fuchspaare zu sehen. Im Gegensatz zu den Koma-inu haben diese aber nicht jeweils das Maul offen und geschlossen. Stattdessen halten sie einen Schlüssel (zu den Getreide-/Reisspeichern), eine Reisgarbe, eine Sutrenrolle, einen Juwel oder ihr Junges im Maul.

Quellen:

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