Bildwörterbücher

Bildwörterbücher

Letzte Beitragsänderung erfolgte am 25.11.2017.

Ich habe es wieder getan! Ich konnte erneut den bunten Bildern und dem günstigen Preis nicht widerstehen. Lerne ich denn nie aus der Erfahrung? Ach ja, Bildwörterbücher für Japanisch …

Bildwörterbücher von Dorling Kindersley und Pons

Letzte Woche stand ich wie sooft vor dem Sprachenregal der Buchhandlung, um zu sehen, was es denn Neues gibt. Dabei fiel mir auf, dass es nun auch von Pons Bildwörterbücher für viele unterschiedliche Sprachen gibt. Und zwar auch für Japanisch (größere Ausgabe1: 12.500 Begriffe; kleinere Ausgabe2: 1.500 Begriffe)!

Vermeintliche Vorteile dieser japanisch-deutschen Wörterbücher

Vor ein paar Jahren hatte ich mir bereits ein japanisch-deutsches Bildwörterbuch von Coventgarden3 (Dorling Kindersley) gekauft. (Hiervon gibt es jetzt eine neuere Auflage mit App von Dorling Kindersley4.) Der damalige Impulskauf folgte dem gleichen Schema wie jetzt:

  • Oh, wie schön, ein Bildwörterbuch für Japanisch mit vielen bunten Fotos!
  • Alle Lebensbereiche sind abgedeckt! So viele spezielle Begriffe!
  • Alle Begriffe in Kanji (bzw. Katakana) und lateinischer Umschrift (Romaji) sowie mit den deutschen Entsprechungen!
  • Und so günstig, unter zehn Euro!

Aber wenn man sich die Bildwörterbücher von Dorling Kindersley und Pons dann näher ansieht, folgt die Ernüchterung. Denn die Bilder und Vokabeln bilden in erster Linie die westliche Welt ab. Gegenstände aus dem japanischen Alltag hingegen vermisst man.

Das heißt: Wäre ich ein fleißiger Mensch und würde all diese Vokabeln lernen, wäre ich danach imstande, mit Japanern über meine eigene Lebenswelt zu sprechen. Das mag vielleicht ganz sinnvoll sein, wenn man Japaner in Deutschland zu Besuch hat.

Kritik an diesen japanisch-deutschen Wörterbüchern

Aber um mich in Japan zu orientieren, taugen diese Bildwörterbuch leider wenig.

  • Es hilft mir nichts, wenn ich alle Bestandteile eines kontinentalen Frühstücks auf Japanisch aufzuzählen weiß, aber im Hotel nicht sagen kann, was ich vom japanischen Frühstück essen möchte.
  • Es ist ja schön und gut, die Möbel eines westlichen Zimmers beschreiben zu können. Aber wenn ich in einem traditionellen japanischen Hotel, einem Ryokan (旅館 / りょかん),  übernachte, möchte ich wissen, was ein Futon ist und wie der Schrank heißt, in den der Futon immer weggeräumt wird.
  • Im Restaurant möchte ich wissen, welche Sushi ich esse und was Sashimi ist.
  • Und ich möchte doch, bitteschön, wissen, was Schrein auf Japanisch heißt! (Antwort: Jinja (神社 / じんじゃ.)

Natürlich bereitet das Blättern in so einem Bildwörterbuch Vergnügen. Man ist zum Beispiel erstaunt, wie viele Wörter aus dem Englischen kommen. (Was aber auch damit zusammenhängt, dass im Wörterbuch eben den Gegenständen der westlichen Welt der Vorzug gegeben wird.) Und man träumt davon, wie es wäre, wenn man all diese Vokabeln beherrschen würde.

Aber auf einer Reise in Japan stellen sich eben ganz andere Wortschatzfragen. Und ich wäre froh, wenn ich in meinem visuellen Wörterbuch japanische Gerichte statt westlicher vorfände.

Der Hintergrund für dieses Bildwörterbuch-Dilemma ist mir natürlich klar: Die Verlage können diese farbig gedruckten Wörterbücher nur so günstig anbieten, weil sie für alle Sprachausgaben die gleichen Bilder verwenden. Würden sie für den kleinen Kreis der Japanisch-Lernenden extra ein spezifisches Bildwörterbuch gestalten wollen, wäre der Aufwand um ein Vielfaches höher. Das würde dann auch zu einem viel höheren Verkaufspreis führen. – Nichtsdestoweniger stört es mich auch bei den Sprachen mit großer Leserschaft, wenn landestypische Begriffe fehlen …

Alternativen (deutsch)

Das „Bildwörterbuch zur Einführung in die japanische Kultur. Architektur und Religion“5 von Yoshiko Watanabe-Rögner ist zwar ganz auf die japanische Kultur zugeschnitten, aber sehr, sehr speziell.

Vorteile:

  • spezifische Begriffe der japanischen Kultur
  • Aufschlüsselung der Begriffe im Kontext (z.B. sehr schön: die Zeichnung einer Sushi-Bar auf S. 16, bei der alle Elemente beziffert und beschriftet sind)

Nachteile:

  • Statt farbiger Fotos enthält das Buch Schwarz-Weiß-Strichzeichnungen.
  • Um ein Wort aus dem Register im Buch wiederzufinden, muss man sich mit der akademischen Struktur des Buches auseinandersetzen.
  • Die behandelten Bereiche sind sehr speziell: Wie der Untertitel schon besagt: Architektur und Religion.
  • Die Themen sind nur angeschnitten. Um die Begriffe wirklich zu verstehen, muss man sich anderweitig kundig machen.
  • relativ hoher Preis

Fazit: Nur für diejenigen interessant, die sich mit den sehr speziellen Kulturbereichen dieses Bildwörterbuchs beschäftigen möchten. Wenn es den Titel als E-Book gäbe, würde ich ihn mitnehmen, um nachzuschlagen, was ich in Schreinen und Tempeln sehe. Die Hardcover-Ausgabe ist mir für eine Japan-Reise aber zu schwer.

Es gibt auch noch einen zweiten Titel, den ich mir allerdings noch nicht angesehen habe: „Bildwörterbuch zur Einführung in die japanische Kultur. Traditionelle Theaterkünste, Zen und die Künste, Postwesen, Verkehrsmittel und Handel“6.


Ganz  nett, aber wenig umfangreich ist das Kindle-E-Book „Einfach Japanisch – Bildwörterbuch Kindle Edition“7 von Evi Poxleitner und Kim Waldrich, das ich hier nur der Vollständigkeit halber erwähne.

Vorteile:

  • relativ günstig (aber in Anbetracht der wenigen Begriffe dann auch wieder nicht günstig)
  • enthält auch spezifisch japanische Begriffe
  • Zu jeder Seite gibt es eine Übungsseite ohne die Begriffe, damit man überprüfen kann, ob man die Vokabeln behalten hat.

Nachteile:

  • nur sehr, sehr wenige Begriffe insgesamt
  • Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die ich persönlich nicht besonders ansprechend finde

Fazit: keine Empfehlung

Alternativen (englisch)

Wenn ihr bereit seid, euch auf Englisch statt Deutsch einzulassen, gibt es von japanischen Verlagen ein paar japanisch-englische Bildwörterbücher (kotoba e jiten / ことば絵じてん / ことばえじてん) für Kinder/Grundschüler. (Es gibt natürlich auch rein japanische Bildwörterbücher.)

Mir gefällt folgendes japanisches Bildwörterbuch für Grundschüler sehr gut: Rainbow kotoba e jiten (レインボーことば絵じてん / れいんぼうことばえじてん)8.

Vorteile:

  • Begriffe aus der japanischen Lebenswelt
  • Beispielsätze
  • Furigana über den Kanji
  • niedliche, lustige comicartige Zeichnungen
  • aus der Perspektive von Kindern, die ja manchmal der Perspektive von uns Sprachenlernenden entspricht

Nachteile:

  • englische (nicht deutsche) Übersetzungen
  • Nicht alle Begriffe sind übersetzt.
  • Die japanischen Beispielsätze sind nicht übersetzt.
  • Man muss Kana (Hiragana und Katakana) lesen können. Die japanischen Wörter werden NICHT in lateinischer Schrift (Romaji) dargestellt.
  • Die Begriffe stammen alle aus der Kinderwelt.
  • keine Detailbegriffe zu einzelnen Begriffen (z.B. nur ein Eintrag zum Fahrrad, aber nicht zu den Bestandteilen eines Fahrrads)
  • silben-alphabetische Sortierung statt thematischer Anordnung der Begriffe (bis auf ein paar thematische Wortschatz-Zusammenstellungen).
  • Für Japanisch-Anfänger könnte es eine Hürde darstellen, dass die Wörter nach dem japanischen Silben-Alphabet sortiert sind (also: a, i, u, e, o, ka, ki, ku, ke, ko etc.).
  • Insgesamt etwas wild gestaltet, sodass mir persönlich das Lesen schwerfällt.

Speziell für Kinder mit Englisch als Muttersprache gibt es ebenfalls ein paar Titel. Als Beispiel sei „Let’s Learn Japanese: Picture Dictionary“9 genannt. Diese visuelle Wörterbucher bilden aber wie die oben genannten japanisch-deutschen Bildwörterbücher die westliche, nicht jedoch die japanische Lebenswelt ab. Denn auch sie verwenden die gleichen Bilder für verschiedene Sprachausgaben.

Vorteile:

  • thematische Anordnung der Begriffe
  • „Wimmelbilder“, anhand derer man überprüfen kann, ob man die Vokabeln schon weiß

Nachteile:

  • keine spezifischen Begriffe der japanischen Lebenswelt
  • Mir persönlich gefallen die Zeichnungen (insbesondere die Gesichter) nicht so sehr.

Die erwähnten Wörterbuch-Titel im Einzelnen:

  1. Bildwörterbuch Japanisch–Deutsch. Für Alltag, Beruf und unterwegs. Verlag: Pons 2016. ISBN 978-3-12-517984-4. (12.500 Begriffe und Redewendungen) – Sehr bedauerlich finde ich, dass das Japanisch-Bildwörterbuch weniger umfangreich ist als die Ausgaben für die anderen Sprachen (für Spanisch gibt es zum Beispiel noch eine extra Verben-Liste). Es gibt auch keine Premium-App zum Buch wie für die anderen Sprachen.
  2. Bildwörterbuch Japanisch–Deutsch. 1.500 nützliche Wörter für den Alltag. Verlag: Pons 2017. ISBN: 978-3-12-516058-3. (1.500 Begriffe)
  3. Visuelles Wörterbuch Japanisch–Deutsch. Verlag: Coventgarden 2011. ISBN 978-3-8310-9096-9. (rund 12.000 Begriffe)
  4. Visuelles Wörterbuch Japanisch Deutsch: Mit Audio-App – Jedes Wort gesprochen. Verlag: Dorling Kindersley 2016. ISBN 978-3-8310-2972-3. – Soweit ich sehen kann, ist dies das gleiche Buch wie das ältere von Coventgarden, nur mit Audio-App.
  5. Yoshiko Watanabe-Rögner: Bildwörterbuch zur Einführung in die japanische Kultur. Architektur und Religion. Verlag: Buske 2008. ISBN 978-3-87548-346-8. (rund 350 Zeichnungen zur japanischen Architektur und Religion)
  6. Yoshiko Watanabe-Rögner: Bildwörterbuch zur Einführung in die japanische Kultur: Traditionelle Theaterkünste, Zen und die Künste, Postwesen, Verkehrsmittel und Handel. Verlag: Buske 2008. ISBN 978-3-87548-725-1.
  7. Evi Poxleitner und Kim Waldrich: Einfach Japanisch – Bildwörterbuch Kindle Edition.
  8. Rainbow kotoba e jiten / レインボーことば絵じてん. Verlag: Gakken 1995/2010. ISBN 978-4-05-300128-3. (eventuell gebraucht auch bei amazon.de erhältlich)
  9. Let’s Learn Japanese: Picture Dictionary. Verlag: Mcgraw-Hill 1992. ISBN 978-0-07-140827-1. (1.550 Begriffe)
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