Filmkritik: „Watashi ni unmei no koi …“ (2016) – わたしに運命の恋。。。

Filmkritik: „Watashi ni unmei no koi …“ (2016) – わたしに運命の恋。。。

In Japan ist Weihnachten kein Familienfest, sondern in erster Linie das Fest der Liebenden. Und so gehört es zum romantischen Höhepunkt eines japanischen Liebesfilms, dass sich Verliebte an Heiligabend, „christmas eve“ (クリスマス イブ / くりすます いぶ), ihrer Liebe versichern. Passend zu Weihnachten möchte ich euch den romantischen Film „Watashi ni unmei no koi nante arienaitte omotteta“ von 2016 ans Romantikerherz legen.

Der etwas sperrige Titel „Watashi ni unmei no koi nante arienaitte omotteta“ (わたしに運命の恋なんてありえないって思ってた / わたしにうんめいのこいなんてありえないっておもってた) ließe sich vielleicht auf Deutsch übersetzen mit: „Ich dachte irgendwie, dass es für mich die Liebe meines Lebens nicht geben könnte“.

Zum Inhalt des Films

Die fast 27-jährige Shirono Riko glaubt seit einer beschämenden Liebeserfahrung während ihrer High-school-Tage nicht mehr an die wahre große Liebe. Reale Männer findet sie allesamt „fugainai“ (ふがいない), das heißt feige, verweichlicht, kurz: erbärmlich. Ihrer Meinung nach gibt es nur noch verweichlichte Männer, in Japan auch „Pflanzenfresser-Männer“ genannt: „sōshokukei danshi“ (草食系男子 / そうしょくけいだんし).

Typologie der Traummänner

Für sich und andere von der Realität enttäuschte Frauen entwickelt sie daher Dating-Sim-Spiele, also romantische Simulationsspiele. Für ihre Spiele verwendet sie eine Typologie der Traummänner, wobei die beliebtesten drei Typen die folgenden sind:

  • der strahlende Traumprinz, „kirakira ōjisama“ (きらきら王子様 / きらきらおうじさま): der gut aussehende, zuvorkommende, perfekte Beschützertyp,
  • der verzogene jüngere Mann, „toshishita amaenbō“ (年下甘えん坊 / とししたあまえんぼう): der Haustier-Ersatz für ältere Frauen,
  • der sadistische Egomane, „do esu oresama“ (ドS俺様 / どえっすおれさま): der nach außen hin zu Frauen herablassende Sadist, in Wirklichkeit aber ein weichherziger Beschützertyp (angeblich der bei japanischen Frauen beliebteste Typus).

Dating-Sim-Spiele-App

Aktuell entwickelt sie für eine Firma mit der dortigen Angestellten Momose Haruka zusammen eine Dating-Sim-Spiele-App. Im Team arbeitet auch der junge Midoritani Taku, für den Shirono-san sofort zu schwärmen beginnt, weil er dem Typus des perfekten Traumprinzen entspricht.

Leider gerät sie zu Beginn ihrer Arbeit am Spiel gleich mit dem Firmenchef Kurokawa Soichirō, einem erfolgreichen Programmierer, aneinander: Dieser hält die Spiele-Idee für absoluten Quatsch, denn er kann sich nicht vorstellen, dass seinen Kundinnen so eine Realitätsflucht gefallen könnte.

Shirono-san kann ihn jedoch eines Besseren belehren, als sie ihm mit einem Trick aus einem ihrer Spiele hilft, einen persönlichen Kontakt zu seiner Angestellten Momose-san aufzubauen. In Momose-san ist er nämlich schon seit drei Jahren verliebt. Aber bisher war er zu verklemmt, sie anzusprechen. Kurzerhand bittet er die vermeintliche Expertin in Liebesdingen Shirono-san, ihm Unterricht zu geben, damit er lernt, das Herz einer Frau zu verstehen.

Der „Königsweg“ zur Liebe

Shirono-san erklärt ihm nun die Elemente des „Königswegs“ der Liebe, des „ōdō“ (王道 / おうどう): ihre Traummann-Typologie und die romantischen Standard-Situationen, die in Liebesfilmen immer wieder variiert werden. Sie macht ihm aber auch die Wünsche der Frauen klar, die dahinter stecken. Während der Lehrstunden kommen sich Shirono-san und Kurokawa-san auf freundschaftlicher Ebene näher. Aber ist es wirklich nur Freundschaft?

Die Entscheidung: 2D oder 3D?

Ihr möchtet wissen,

  • wer sich aus diesem Liebesviereck am Ende für die virtuelle 2D-Welt und
  • wer sich für die Wirklichkeit entscheiden wird,
  • wer einen Korb bekommen wird und
  • wer sich ganz gemäß der Spielregeln eines japanischen Liebesfilms an Weihnachten an der Motomachi Plaza in Yokohama in die Arme schließen wird?

Dann seht euch den Film einfach an!

Trailer zu „Watashi ni unmei no koi nante arienaitte omotteta“


Trailer (japanisch) auf YouTube.

Meine Meinung zum Film

Drehbuch/Story

Der nette Dreh bei dieser romantischen Geschichte ist, dass sie sich einerseits der üblichen Versatzstücke des japanischen Liebesfilms bedient, aber zugleich diese Elemente von Shirono-san und Kurokawa-san analysieren lässt.

Schauspielerische Leistung

Am überzeugendsten finde ich Takahashi Issei in der Rolle des Kurokawa Soichirō: Er bringt die Figur des verklemmten und in Liebesdingen naiven Firmenchefs gut herüber.

Tabe Mikako als Shirono Riko hält aber auch gut die Waage zwischen der naiven, von romantischen Filmen und Spielen begeisterten Träumerin und der selbstbewussten Spiele-Autorin.

Ōmasa Aya erhält im Film zwar nicht viel Spielraum, die Rolle der Momose Haruka zu entwickeln, hinterlässt aber einen guten Eindruck.

Shison Jun in der Rolle des Midoritani Taku finde ich hingegen etwas blass und nicht so überzeugend.

Mein persönliches Fazit

Sehenswert!

  • Für romantische Frauen: ein herzerwärmender Film für trübe Tage und dunkle Winterabende.
  • Für analytisch denkende Frauen: ein Lehrfilm über den Aufbau und die Elemente eines japanischen Liebesfilms. – Und Analytikerinnen kennen ja auch am besten ihren Hormonhaushalt und somit, wann ein guter Zeitpunkt ist, sich mal wieder einen Liebesfilm „reinzuziehen“.
  • Für Männer? – Naja, ich denke, eher weniger.

Details zum Film

  • Titel: わたしに運命の恋なんてありえないって思ってた (わたしにうんめいのこいなんてありえないっておもってた)
  • Titel auf Deutsch in etwa: „Ich dachte irgendwie, dass es für mich die Liebe meines Lebens nicht geben könnte“
  • Erstausstrahlung: 20. Dezember 2016, um 21:00–22:48 Uhr, auf dem Sender KanTere (カンテレ / かんてれ) (Abkürzung für: Kansai-Terebi(関西テレビ / かんさいてれび))
  • Dauer: 108 Minuten
  • Regie: Hatano Takafumi (波多野 貴文 / はたの たかふみ)
  • Drehbuch: Ōshima Satomi (大島 里美 / おおしま さとみ)
  • Produzenten: Hagiwara Takashi (萩原 崇 / はぎわら たかし); Hasegawa Haruhiko (長谷川 晴彦 / はせがわ はるひこ)
  • Musik: Manabe Akihiro (眞鍋 昭大 / まなべ あきひろ)
  • Darsteller:
    • Tabe Mikako (多部未華子 / たべ みかこ) als Shirono Riko (白野 莉子 / しろの りこ): Autorin von Liebessimulationsspielen; arbeitet mit Momose Haruka an der Entwicklung einer entsprechenden Spiele-App in der Firma von Kurokawa Soichirō; wegen einer negativen Liebeserfahrung an der Highschool glaubt sie nicht mehr an die große Liebe im echten Leben und hält reale Männer für „fugainai“ (ふがいない), d.h. für feige und verweichlicht.
    • Takahashi Issei (高橋一生 / たかはし いっせい) als Kurokawa Soichirō (黒川 壮一郎 / くろかわそういちろう): erfolgreicher Programmierer und Firmenchef; ist seit drei Jahren in seine Angestellte Momose Haruka verliebt, weiß aber nicht, wie man das Herz einer Frau erobert.
    • Ōmasa Aya (大政絢 / おおまさ あや) als Momose Haruka (桃瀬 はるか / ももせ はるか): Angestellte von Kurokawa Soichirō; Fan von Liebessimulationsspielen
    • Shison Jun (志尊淳 / しそん じゅん) als Midoritani Taku (緑谷 拓 / みどりたに たく): Angestellter von Kurokawa Soichirō; in Shirono Rikos Augen ein Traumprinz
    • Yamada Yūki (山田裕貴 / やまだ ゆうき) als Hasegawa Yusuke (長谷川 祐介 / はせがわ ゆすけ): Shirono Rikos Angebeteter aus Highschool-Tagen
    • Tanaka Yōji (田中要次 / たなか ようじ) als Haibara Genjirō (灰原 源次郎 / はいばら げんじろう): Wirt von Kurokawa Soichirōs Lieblings-Café
    • Oshinari Shūgo (忍成修吾 / おしなり しゅうご) als Kenji (ケンジ / けんじ): männlicher Hauptdarsteller der fiktiven Liebes-TV-Serie „Tōkyō to Love mannaka de“ (「東京とラブの真ん中で」 / 「とうきょうとらぶのまんなかで」)

Links

Einen schönen vierten Advent und fröhliche Weihnachten!

wünscht euch „Japan begeistert!“.

Adventskranz mit vier brennenden Kerzen (Foto: © 2017 fduprel)
Vierter Advent 2017 (Foto: © 2017 fduprel)

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